Sparkassen-Sportstiftung vergibt August-Schärttner-Preis an SKG-Trainer Sven Peiler
Sport allgemein (bac). Seit 1998 wird er jedes Jahr an die „stillen Stars“ verliehen, die freiwillig, unentgeltlich und meist außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung als Übungsleiter wirken: der August-Schärttner-Preis. Die mit 2000 Euro dotierte Auszeichnung der Sparkassen-Sportstiftung Main-Kinzig ging in diesem Jahr an Sven Peiler von der Ski- und Kanugesellschaft Hanau (SKG).
„Er hat in seinem Hanauer Heimatverein, im Hessischen und im Deutschen Kanuverband tiefe Spuren gezogen und deutliche Zeichen gesetzt“, erklärte Jürgen May, Vorsitzender der Stiftung, im Rahmen der Feierstunde am Mittwoch im Roten Saal von Schloss Philippsruhe. Peiler reiht sich als 13. Preisträger ein in eine illustre Reihe namhafter Übungsleiter. So ging die erste Auszeichnung 1998 an Jula Hof von der TG Hanau. Ihr folgten prominente Trainer wie Harry Arndt vom SSC Hanau-Rodenbach, Gisela Kratz vom TSV 1860 Hanau und Helga Löwer-Pense von der TG Hanau.
Vor der Arbeit als Übungsleiter war Peiler über Jahrzehnte selbst aktiver Kanut. Der Thüringer kletterte mit sechs Jahren zum ersten Mal in das schmale Boot - sein Vater Lutz, selbst Übungsleiter in Erfurt, hatte ihn mit ans Wasser genommen. Ein Jahr später bestritt er seinen ersten Wettkampf und war mit 14 Jahren so erfolgreich, dass er an die Kinder- und Jugendsportschule in Leipzig „delegiert“ wurde. Olympia blieb jedoch nur ein Traum, denn nach den Spielen 1972 in München wurde Kanuslalom vorübergehend aus dem Programm genommen. Die DDR stellt ihre Förderung ein und Peiler kehrte zurück nach Erfurt.
Der ehrgeizige Sportler trainierte weiter, errang bis zur Wende fünf DDR-Meister-Titel im Einzel und drei Mannschaftsmeisterschaften. 1990 nahm er noch einmal an der WM-Qualifikation für die erste neue gesamtdeutsche Mannschaft teil - 1,3 Sekunden fehlten ihm damals zum vierten Platz, der die WM-Teilnahme bedeutet hätte. 1991 nahm Peiler an einem Wettkampf der SKG Hanau teil, gewann und lernte am selben Tag seine spätere Frau kennen. Seit nunmehr 15 Jahren arbeitet der 48-Jährige als Trainer und Betreuer, nicht nur für die SKG, sondern auch für den Hessischen und Deutschen Kanuverband. Er führte die Hanauerin Dorothee Utz zu zwei Junioren-Weltmeisterschaften und den für Thailand startenden Hermann Hußlein zum Vizemeister-Titel bei den Asienspielen. Bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking coachte er keinen Geringeren als den späteren Überraschungs-Olympiasieger Alexander Grimm. Zurzeit bereitet er Caroline Trompeter, Mitglied des Perspektivkaders des Deutschen Kanuverbandes, auf die Junioren-Weltmeisterschaft 2010 vor. Hermann Hußlein will er im November zur Asien-Meisterschaft führen, was die direkte Qualifikation für die Olympischen Spiele 2012 in London bedeuten würde. „Ich spreche Ihnen hiermit pauschal die Dienstbefreiung für die Teilnahme an künftigen Olympiaden aus“, erklärte Oberbürgermeister Claus Kaminsky in seiner Funktion als Chef des Rathaus-Mitarbeiters Peiler, der für die Computertechnik im Fachbereich Soziale Dienste verantwortlich ist. Kennen gelernt haben sich die beiden auch am Bootssteg, immerhin
trainierte Peiler Kaminskys Sohn Mirko und führte ihn zum Gewinn der Deutschen Schülermeisterschaft. „Auch wenn die Arbeit mit den jungen Leuten manchmal Kraft, Zeit und Nerven raubt, bin ich hochzufrieden, wenn sie mit einem Lachen ins Training kommen und am Ende sagen „Trainer, heute habe ich mein Bestes gegeben“, erklärte Peiler im Rahmen seiner Dankesrede. „Wer als Übungsleiter solche Erlebnisse hat, für den ist die Leistung im Wettkampf fast zweitrangig.“ Und so wird der 48-Jährige weiter an der Kinzig stehen - freiwillig, unentgeltlich und hochmotiviert, aber seit Mittwoch zumindest nicht mehr außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung.
(Hanauer Anzeiger, 03. September 2010)


